[Verantaltung] Was ist anarchistische Stadtpolitik? | 21.04. | 20 Uhr @ Laidak

12983908_1223247564373999_5762143995426059688_oRaus aus den Vier Wänden in der Friedelstraße 54 wolllen wir und die anderen Bewohner*innen dieses Hauses eigentlich nicht. Für diese Veranstaltungsreihe schauen wir gerne mal mit ein bisschen räumlicher Distanz (Laidak) auf stadtpolitische Realitäten und Utopien. Nicht wenige Gruppen in der Friedel54 aber auch Besucher*innen bezeichnen sich selbst als anarchistisch. Nicht nur deshalb ist ein Blick auf anarchistische Theorie und Praxis im Gewirr berliner Stadtpoltik unerlässlich.Wir wollen in dieser Situation herausfinden wie eine solidarische und herrschaftsfreie Stadtpolitik aussehen könnte aber auch wovon sie sich abgrenzen sollte. Der Abend beginnt mit einem Update zum Kampf der Friedel gegen Verdrängung und für Selbstverwaltung.


Was ist anarchistische Stadtpolitik?

Grundbausteine, Aufgaben und Probleme

Anfang März hat der Bund mit der Brache an der Stallschreiberstraße eines der letzten größeren Grundstücke im Innenstadtbereich Berlins höchstbietend veräußert. Bezahlbare Wohnungen für die rasant wachsende Stadt mit einem Drittel Armutsbevölkerung werden hier nur wenige entstehen. Im September 2015 wurde der Verkauf des Dragonerareals am Mehringdamm durch eine Kampagne des Bündnisses Stadt von Unten im Bundesrat gestoppt, doch die Rückabwicklung lässt seither auf sich warten. Ein Jahr zuvor war das Projekt Rathausstern Lichtenberg des Mietshäuser Syndikats nach über zweijähriger Arbeit im Konzeptvergabeverfahren unterlegen. Die Gruppe ist nach Leipzig ausgewichen, da in Berlin nichts mehr zu machen war. Der Druck in dieser Stadt steigt, und das nicht nur, was bezahlbaren Wohnraum angeht. Zu Aufwertung und Verdrängung kommen rassistische Kontrollen, private Sicherheitsdienste und Polizeigewalt. Nicht nur soziale Zentren werden immer wieder brutal geräumt. Etwa 16 Mal am Tag springt der starke Arm des Staates der unsichtbaren Hand des Marktes bei, um gekündigte Mieter*innen aufs Pflaster zu werfen. Dabei hat die Stadt einen jährlichen Haushaltsüberschuss von 1 Mrd. Euro. Anstatt bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen, werden vorzeitig Schulden getilgt, um keine Begehrlichkeiten aufkommen zu lassen. Unter diesen Bedingungen haben sich in den letzten Jahren zahlreiche stadtpolitische Initiativen gegründet. Doch was sind die Perspektiven einer radikalen Stadtpolitik und wie ist es möglich, inmitten der Abwehrkämpfe ein utopisches Projekt zu rekonstruieren, das nicht bei sozialpolitischen Forderung stehen bleibt? Gibt es letztlich sogar einen anarchistischen Modus stadtbezogener Politik? Grundlegende Thesen sollen zur Diskussion gestellt werden.

Der Abend mit einem Einleitungsvortrag von Jan Rolletschek wird veranstaltet vom Kiezladen Friedel54 (friedel54.noblogs.org) in Kooperation mit der Gustav Landauer Denkmalinitiative (Berlin) (www.gustav-landauer.org).