PM: Über 10 Jahre soziokulturelle Arbeit in Neukölln vor dem Aus

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Berlin – Dem Kiezladen in der Friedelstraße 54 wurde zum 30. April 2016 gekündigt. Die Kündigung ist eine neue Stufe der Eskalation in der Auseinandersetzung der Eigentümerin mit den MieterInnen und NutzerInnen des Hauses. Seit dem Kauf des Hauses im Dezember 2013, versucht die Citec Immo Invest GmbH die Mieten durch verschiedene Modernisierungen massiv zu erhöhen. Bislang konnte sich die Hausgemeinschaft erfolgreich dagegen wehren. Am 05. Dezember findet eine erste Demonstration statt, um auf die Kündigung aufmerksam zu machen. Unter dem Motto „Friedel54 kämpft – Kiezladen bleibt“ mobilisieren Aktive und Freunde des Ladens, sowie eine Vielzahl an stadtpolitischen Gruppen und Kiezinitiativen um 15 Uhr zum Rathaus Neukölln.

Matthias Sander, ein Sprecher des Ladenkollektivs, erklärt hierzu: „Unsere Kündigung steht exemplarisch dafür, was seit Jahren im Norden Neuköllns schief läuft. Fast nach Belieben wird gekauft, modernisiert, verkauft und gut daran verdient. Währenddessen bleiben immer mehr Menschen und Gewerbe auf der Strecke. Die Kieze werden immer monotoner und jahrelang gewachsene Nachbarschaften werden innerhalb kürzester Zeit auseinander gerissen. Das es nicht so sein muss, hat der Kampf der BewohnerInnen unseres Hauses gezeigt. Immerhin haben sie die ungewollte Wärmedämmung jetzt schon fast 1 Jahr lang verhindert. Das passt der Citec natürlich gar nicht. Da wir die Forderungen unserer NachbarInnen von Beginn an unterstützt haben und als Gewerberaum problemlos zu kündigen sind, war das wohl deren logische Konsequenz.“

Seit über 10 Jahren bietet der Kiezladen ein breites Angebot an soziokulturellen und politischen Veranstaltungen. Und das immer in einem strikt unkommerziellen Rahmen. „Wir schließen niemanden aufgrund eines niedrigen Einkommens aus. Wir nehmen keinen Eintritt, Getränke und Essen sind auf Spendenbasis. Wer mehr hat gibt mehr und umgekehrt.“ erklärt Sander das Konzept.
„Auch wenn das nicht mehr so öffentlich präsent ist, leben in Nord-Neukölln immer noch viele Menschen mit einem sehr prekären Einkommen. Da sie trotz der rasant steigenden Mieten so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld wohnen wollen, wird stattdessen woanders gespart. Und da bleibt dann meist nicht mal mehr das Geld für ein Bier in einer Kneipe, einen Film oder Essen außer Haus.“

Andere Wege geht der Kiezladen nicht nur beim Thema Preisgestaltung. So etwa auch in der Art wie der Alltag organisiert, oder Entscheidungen getroffen werden. Einen Chef sucht man vergebens, denn hier entscheiden alle gleichberechtigt. Alle die den Laden nutzen, entscheiden gemeinsam was dort passiert. Gleichzeitig sind aber auch alle gleichermaßen verantwortlich. Das in Neukölln ohne den Laden eine Lücke entsteht, dessen ist sich Sander sicher: „Es gibt gerade seit den letzten Jahren einen totalen Bedarf nach solchen Alternativen. Weg vom aufgestylten Trendbezirk und wieder hin zu einem solidarischen Miteinander im Kiez. Wir hoffen das die Demonstration und unser weiterer Protest da ein bisschen Wasser auf die Mühlen gießt.“

Pressekontakt

Matthias Sander
Tel: 0176 91281251
E-Mail: kiezladenf54bleibt@riseup.net

Auf der Demonstration befindet sich eine Ansprechperson für Presseanfragen auf dem bzw. in der Nähe des Lautsprecherwagens.

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