[PM] Heute: Demo gegen geplante Räumung des Kiezladens Friedel54 in Neukölln

+++ Start um 20:30 Uhr auf dem Oranienplatz +++ +++ Kiezspaziergang am Sonntag in Neukölln +++ Gestern Solidaritätskonzert mit mehreren hundert TeilnehmerInnen auf dem Reuterplatz +++ Solidaritätsaktionen aus dem ganzen Bundesgebiet +++

Am 29. Juni soll um 9 Uhr der Kiezladen im Erdgeschoss der Friedelstraße 54 in Neukölln zwangsgeräumt werden. Dies ist die Spitze der Eskalation eines, seit über 2 Jahren bestehenden Konflikts um Mietexplosionen und Verdrängung in dem Mietshaus im norden Neuköllns.

Um auf die drohende Räumung hinzuweisen und dagegen zu protestieren, werden heute Abend ab 20:30 Uhr Aktive und UnterstützerInnen des Kiezladens von Kreuzberg zur Friedelstraße 54 ziehen. Unter dem Motto: „Schluss mit Verdrängung! Schluss mit Zwangsräumungen! – Kiezladen Friedel54 bleibt! Wir bleiben Alle!“ soll nochmals der Protest gegen die drohende Räumung eines 13 Jahre alten sozialen und unkommerziellen Raums in Nord-Neukölln protestiert werden.

Unterstützung erhält der Kiezladen von einer Vielzahl an stadtpolitischen und linken Initiativen und Projekten. So mobilisieren das Hausprojekt Rigaer94, sowie die Initiative gegen das Sama-Riga-Carré mit eigenen Aufrufen und einem Vortreffpunkt zur gemeinsamen Anreise aus Friedrichshain. Weitere Aufrufe zur Beteiligung an der Demonstration gibt es u.A. von der Radikalen Linken Berlin (RLB), der Initiative „Hände weg vom Wedding“ und dem Bündnis Zwangsräumung Verhindern.

„Seit dem Bekanntwerden des geplanten Räumungstermins, hat uns eine Welle von verschiedensten Solidaritäts-Bekundungen erreicht. Aus dutzenden Städten im gesamten Bundesgebiet haben uns Grußbotschaften erreicht, oder wurden Solidaritätsaktionen durchgeführt.“ so Matthias Sander, ein Sprecher des Laden-Kollektivs. Und weiter: „Aber sogar international hat unsere Situation Interesse und Solidarität hervorgerufen.“ So erreichte den Kiezladen etwa vor wenigen Tagen eine Grußbotschaft, samt Bilder aus der kurdischen Region Rojava im norden Syriens.
Die Demonstration ist nicht die einzige öffentliche Aktion, mit der der Kiezladen und seine UnterstützerInnen bis zum geplanten Räumungstermin am kommenden Donnerstag, protestieren wollen. Bereits gestern fand auf dem neuköllner Reuterplatz ein Solidaritätskonzert, mit KünstlerInnen wie der Punkrock-Legende „Terrorgruppe“, sowie dem Rapper PTK aus Kreuzberg, oder den Turntable Hools, einem Sideprojekt von Mitgliedern der Hip-Hop Band K.I.Z. statt. Mehrere hundert Menschen nahmen an dem vielseitigen Programm aus musikalischen Auftritten und Redebeiträgen verschiedener Initiativen teil.

Auch in den kommenden Tagen sind verschiedene, weitere Aktionen geplant. Dazu Sander: „Am morgigen Sonntag werden wir im Rahmen eines Kiezspaziergangs durch Neukölln ziehen, um verschiedene Orte der Verdrängung, aber auch des Widerstandes dagegen zu besuchen und alle Interessierten darüber zu informieren. Dienstag und Mittwoch veranstalten wir öffentliche Filmscreenings vor der Friedelstraße 54, in denen es schwerpunktmäßig um aktuelle und vergangene Mietenkämpfe in Berlin geht.“

Abschluss der Aktionstage ist dann am Tag der angekündigten Räumung. Mehrere dutzend Gruppen mobilisieren zur Blockade der Zwangsräumung und zu vielfältigem Protest. Über die Erfolgsaussichten mag Matthias Sander nicht spekulieren, aber macht deutlich: „Die Mobilisierung zur Blockade der Zwangsräumung ist enorm. Dabei reicht die Spanne von unseren NachbarInnen, über Hausprojekte, Gewerbetreibende, bis hin zu stadtpolitischen und linken Gruppen aus ganz Berlin und darüber hinaus. Der Gerichtsvollzieher und die ihn unterstützenden Einsatzkräfte der Polizei werden auf jeden Fall kein leichtes Spiel haben.“ Und abschließend: „Wenn die Interessen einer Handvoll Firmenbesitzer, die mehrere hundert Kilometer entfernt operieren, mehr zählen, als die Interessen von vielen hundert Menschen, die konkret davon betroffen sind und die Entscheidungen ablehnen, dann stimmt etwas ganz gewaltig nicht. Und wenn dies noch gesetzeskonform und juristisch rechtens stattfindet, der Rechtsstaat also offensichtlich die Interessen einer Mehrheit nicht schützen kann, oder will, dann muss sich der Senat und der Bezirk nicht wundern, dass die Menschen sich alternative Formen des Protests und des Widerstands suchen.“

Nachfragen an Matthias Sander via Telefon unter 0157 75154084, oder direkt vor Ort, vor dem Beginn der Demonstration.

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