[B] Solidarität mit der besetzten Teppichfabrik! Kampf dem Eigentum an Grund und Boden!

Seit etwa 2,5 Monaten ist die alte Teppichfabrik in der Alt-Stralau 4 in Berlin-Friedrichshain besetzt. Nach vielen Wochen ungestörter Aneignung von dringend benötigtem Wohnraum im Hotspot Berlin, wurde die Besetzung entdeckt. Seitdem wird die Platte, wie die Besetzung liebevoll genannt wird, von Securities und einer Einsatzhundertschaft belagert. Es dürfen nur noch 6 Personen auf das Gelände, Strom und Wasser wurden abgestellt und seit einigen Tagen gibt es einen offiziellen Räumungstitel. Tag X rückt also näher. Als kleines Zeichen der Solidarität versammelten sich am vergangenen Freitag, trotz bescheidenem Wetter, etwa 100 Menschen vor der Teppichfabrik. Auch einige Kollektivist@s von uns waren mit folgender Soli-Erklärung dabei:

Es brodelt, modert und mufft im Berliner Immobiliensumpf.

Die Sozialdemokratie zeigt mal wieder eindrücklich, dass sie ja gerne etwas für „soziale Gerechtigkeit“ (Was auch immer das sein mag) tun würde aber ihr eigenes und das Dogma der neoliberalen Stadt „Eigentum muss geschützt werden“ blöderweise (oder zum Glück für die SPD) jenem Tun entgegensteht.

Vernünftige Gentrifizierungsgegner*innen sahen in Stralau ein ungenutztes Grundstück, dass sie vor ca. 2 ½ Monaten betraten und nutzten. Und zwar als Wohnraum. Das taten sie nicht als Einzige. Wohnungslose Straßenkids waren am Anfang ebenso mit von der Partie. Man taufte das geborene Projekt gemeinsam #diePlatte. Irgendwann standen Männer in Anzügen und chicen Autos auf dem Gelände. Sie wollten das frisch erworbene „Filetstück“ betreten, konnten dies aber nicht, weil das Schloss der alten Teppichfabrik ausgetauscht war. Klug sind die, die Kluges tun.

Spätestens jetzt brodelte es im Immobiliensumpf in dem die SPD-Elite bis zur Oberkante Unterlippe steckt. Als erstes wurde vom Eigentümer ein, mit Eisenstangen ausgestatteter, Schlägertrupp des ehemaligen Kickboxers Michael Kuhr vorgeschickt. Weil dieser Trupp jedoch aus Totalversagern besteht, wurde die Berliner Polizei gerufen. Also ein mit Schusswaffen, Schlagstöcken, viel besseren Protektoren und Helmen ausgestatteter Schlägertrupp. Dieser wurde geschickt vom ehemaligen Stadtentwicklungs- und jetzigen Innensenator Andreas Geisel geschickt. Denn wer als Nachfolger von Michael Müller zuständig dafür ist, sich von Big-Playern des Immobilienmarktes bestechen zu lassen und und eine investor*innenfreundliche Politikstrategie zu fahren, der weiß das Schlägertrupps ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie sind. Zunächst kam es dadurch wohl zu Tumulten. Oder besser gesagt zur Selbstverteidigung durch die Bewohner*innen.

Die ersten Schlägertrupps reichten nicht. Deshalb hat die Geisel noch mehr geschickt. Eine Hundertschaft Bullen und ein Dutzend Securities zu jedem Zeitpunkt für eine Hand voll Besetzer*innen. Ein Betreuungsschlüssel, wie man ihn nicht mal aus Waldorf-Kindergärten kennt.

Da die Bewohner*innen der Exikutive und Judikative glaubhaft machen konnten, dass sie schon länger in der „Platte“ verweilten, konnten die Cops erstmal nichts machen außer nerven. So wurde der Strom abgestellt, Taschenkontrollen durchgeführt, sexistische Sprüche gerufen und kein Besuch in die Teppichfabrik gelassen. Ein Räumungstitel muss her. Denn der (laut Forbes) 2,2 Milliarden schwere Käufer und s.Oliver-Boss duldet die Wohngäste nicht auf dem Gelände. Dieser ist seit gestern leider da. Wie es dazu kommt ist noch nicht ganz klar. Ein Netzwerk aus SPD, Immobilienbranche und klassenjustiziellen Bütteln auf dem Richterstuhl sind mit Sicherheit involviert.

Der ehemalige Regierungssprecher Bela Anda, der die Hartz-Reformen propagandistisch begleitete, ist nun Sprecher des Alt-Stralau-4-Eigentümers Bernd Freier. Er ist außerdem SPD-Mitglied und damit Teil des sozialdemokratischen Rackets. Die Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann (Grüne Sozialdemokratie) ist angesichts dieses testosteron-, geld- und machtgeladenen Bündnisses wenig erpicht darauf auch nur irgendeine Äußerung vom Stapel zu lassen. Besser so. Sonst wird der gleiche Wortmüll, wie bei der Teilräumung der Gerhart-Hauptmann-Schule in die Zeilen der Gazetten gespühlt.Ob aktiv oder passiv. Wer seinen Beitrag zu einer ad-hoc-Räumung der Teppichfabrik leistet, wird schon die kommenden Lorbeeren wittern. Denn auch der Corpsgeist der SPD hat das ein oder andere Zuckerbrot aus der freien Wirtschaft im Naschschrank hinterlegt, für die treuen Eigentumsschützer*innen.

Es brodelt so sehr, dass der Wunsch diesen Immobiliensumpf trocken zu legen in der Gesellschaft steigt. Es zeigt, dass die Besetzer*innen der alten Teppichfabrik genau das richtige getan haben.
Und weil sie das getan haben, lieben wir sie und senden ihnen Grüße, wünschen ihnen Durchhaltevermögen. Wir lassen uns nicht kriminalisieren. Die Fabriken und Häuser gehören uns. Solidarität mit der Platte! Solidarität mit dem Black Triangle in Leipzig, den geräumten Projekten in Bologna und dem sozialen Zentrum in Prag „Klinika“ !!!

gez. Einige Kollektivistas des Friedel54-Kollektivs

 

Bleibt auf dem Laufenden (@PlatteDie / #Teppichfabrik bei Twitter), zeigt euch solidarisch und bereitet euch auf Tag X vor!

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